1.9.15

Fast forward: 60 neue Alben im Schnelldurchlauf

So viel neue, tolle Musik, aber so wenig Zeit, um darüber zu schreiben. Darum hier in einem Aufwisch die Alben, die sich in den letzten Monaten bei mir angehäuft haben, sortiert nach Bewertung.

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Kevin Gordon – Long Gone Time
(Crowville Media)
Der grossartige Singer/Songwriter, der aus Louisiana stammt, beschäftigt sich eindrücklich mit den Katrina-Folgen. Ganz stark – inhaltlich wie musikalisch!

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****1/2

Jimmy LaFave – Trial Four
(Music Road)
Das neue «Official bootleg»-Album ist noch stärker als das neue Studioalbum. Bobby Charles’ «Walking to New Orleans» als wehmütige Hymne, vier Bob-Dylan-Covers – LaFave ist der beste Dylan-Interpret –, JJ Cales «Call Me the Breeze», der Rockabilly-Klassiker «I’ll Remember You» von Jimmy Lloyd, Townes Van Zandts «Snowin’ On Raton» sowie vier eigene Songs. Wie immer auf der «Trail»-Serie fehlen leider jegliche Angaben über Musiker, Ort und Datum der Aufnahmen.

Chris Stapleton – Traveller
(Mercury)
Das eher düstere Solo-Debüt des ehemaligen Kumpels von Mike Henderson bei der Blues-Grass-Band Steel Drivers und Hit-Schreibers für Country-Stars geht unter die Haut.

The Beaumonts – Hey Y’All, It’s The Beaumonts
(Saustex)
Die Musik ist Honkytonk, virtuos gespielt, die Texte reichen von Satire über Ulk bis Punk. Die schräge Hillbilly-Band aus Lubbock, Texas mit ihrem bisher besten Album. « … pretty much a warning shot fired over your head: The Beaumonts are here to drink your beer, sleep with your women an rock your world.» (innocentwords.com)

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Lindi Ortega – Faded Gloryville
(Last Gang Records)
Neue Songs aus verschiedenen Aufnahmesessions mit unterschiedlichen Produzenten, darunter Colin Linden und Dave Cobb. Und Lindi covert den Bee-Gees-Hit «To Love Somebody».

Jimmy LaFave – The Night Tribe
(Music Road)
Eindringlich, stark wie immer. Siehe auch oben.

The Honeycutters – Me Oh My
(Organic Records)
Amanda Anne Platt aus North Carolina und ihre Band mit Americana-Sound mit melancholischer Note.

Iris DeMent – The Trackless Woods
(Flariella)
Vertonte Gedichte der russischen Dichterin Anna Achmatowa (1889–1966). Berührend.

Sarah Gayle Meech – Tennessee Love Song
(self-released)
Frisch und frech: Outlaw-Country und Rockabilly.

Steve Riley & The Mamou Playboys – Voyageurs
(Mamou Playboy)
Cajun und Zydeco vom Feinsten.

Ryan Bingham – Fear and Saturday Night
(Axster Bingham Records)
Starke neue Songs eher von der düsteren Seite.

Della Mae
(Rounder)
Das neue Album der vier Frauen fusst immer noch im Bluegrass, weitet sich stilistisch aber sehr schön in Country- und Americana-Gefielde.

Beth McKee – Sugarcane Revival
(Swampgirl)
Bluesige, Piano-geprägte Südstaaten-Songs

Sweet Cecilia
(Old Man Records)
Zwei Töchter und eine Nichte des Cajun-Fiddlers Al Berard (1960–2014) aus Cecilia, Louisiana, spielen eine rustikale Mischung aus Cajun, Folk, Rock ’n’ Roll und Country. Alle drei schreiben Songs und wechseln sich im Lead-Gesang.

Eilen Jewell – Sundown Over Ghost Town
(Signature Sounds)
Vielleicht nicht ganz so packend wie die letzten Alben, aber allemal weit über dem Americana-Durchschnitt.

Chuck Hawthorne – Silver Line
(3 Notches Music)
Der Ex-Marine hat als Singer/Songwriter etwas zu sagen. Starke Songs. Eindrückliches Debüt. Produziert von Ray Bonneville.

Sonny Landreth – Bound by the Blues
(Mascot)
Der Ausnahmegitarrist aus Louisiana – Nummer 2 auf meiner Liste der besten bzw. der Lieblingsgitarristen – mit einem Blues-Album.

The Buck Stops Here
(self-released)
Debüt von vier jungen Frauen, die eigene Songs in der Tradition von Old Time Music, String Band Sound und Bluegrass spielen. Sehr schön.

Ryan Culwell – Flatlands
(Lightning Rod Rec.)
West-Texas-Singer/Songwriter in der klassischen Flatland-Tradition.

Casper Rawls – Brave World
(Helotes Music)
Einer der Gitarristen, Sänger und Songschreiber der LeRoi Brothers, einer meiner Lieblingsbands der 1980er, mit einem Solowerk.

Randy Rogers & Wade Bowen – Hold My Beer Vol. 1
(Lil' Buddy Toons)
Die beiden Texas-Country-Stars sind alte Freunde und spielen offensichtlich gerne zusammen.

Tom Russell – The Rose of Roscrae
(Frontera Records)
Eindrückliche aber auch etwas überladene Western-Oper mit über 50 Tracks und zahlreichen prominenten Mit-Musikern und -Sängern.

Sam Outlaw – Angeleno
(Six Shooter Records)
Ehemaliger Werber singt gefühlvolle, sanfte Südkalifornien-Country-Songs. Produced by Joachim and Ry Cooder.

The Mavericks – Mono
(Valory)
Raul Malo und die (teils neuen) Jungs in alter Frische.

Heather Ballentine – The Cat’s Meow
(Cool Cat Records)
Pin-up-Girl singt Rockabilly und Country. Produced by Pete Anderson.

Jorma Kaukonen – Ain’t in No Hurry
(Red House)
Der Veteran (Jefferson Airplane, Hot Tuna) mit stimmungsvollem Country-Folk-Blues.

Jenny Stockdale – Fingers Crossed
(self-released)
Sehr schönes Debüt einer talentierten Singer/Songwriterin aus Upstate New York.

Catherine Britt – Boneshaker
(Universal Music Australia)
Die australische Country-Sängerin etwas traditioneller als auch schon.  Ein Song im Duett mit Steve Earle.

Jessica Lee Wilkes – Lone Wolf (EP)
(Free Dirt Records)
Schönes Debüt im klassischen Rockabilly/Rhythm&Blues-Stil; mit Musikern von Los Straitjackets und JD McPherson.

North Mississippi Allstars & Anders Osborne – NMO
(NMO Records)
Südstaaten-Blues von den Dickinson-Brüdern und Anders Osborne.

Courtney Patton – So This Is Live
(self-released)
Schönes Americana-Country-Album der Frau von Jason Eady. Das Cover-Foto hat die Texanerin übrigens mit dem iPhone selbst gemacht – am Zugersee.

Dayna Kurtz – Rise and Fall
(M.C. Records)
Gefühlvolles neues Album der Singer/Songwriterin mit neuen Songs im weiten Feld zwischen Country und Soul.

Feufollet – Two Universes
(Shorefire Media)
Moderner Mix aus Cajun, Zydeco und Rock ’n’ Roll.

BoDeans – I Can’t Stop
(Free & Alive Records)
Kurt Neumann aus Milwaukee ist auch ohne Sammy Llanas immer noch gut unterwergs.

David Zollo & The Body Electric – For Hire
(self-released; 2014)
Der begnadete Singer/Songwriter und Pianist aus Iowa mit einer Kollektion neuer Songs.

The Hello Strangers
(IMI Music; 2014)
Schwestern-Duo aus dem ländlichen Pennsylvania mit höchst bekömmlichen Americana-Klängen.


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***1/2


The Statesboro Revue – Jukehouse Revival

Emmylou Harris & Rodney Crowell – The Traveling Kind

Spencer Bohren – Seven Birds

Stone Cupid – The Cardinal

Ray Wylie Hubbard – The Ruffian’s Misfortunes

Johnny Dowd – That’s Your Wife on the Back of My Horse

Jamie Lin Wilson – Holidays & Wedding Rings

Hollis Brown – 3 Shots

Motobunny

Dana Cooper – Building a Human Being

Brandy Zdan

Liz Longley

Amy Black – The Muscle Shoals Session

Jessie Veeder – Northern Lights

Swamp Music Players – Timeless Cool

Lucie Thorne – Everything Sings Tonight

Elana James – Black Beauty

Donna Jo (EP)

The Pine Hill Project – Tomorrow You’re Going

Lilly Hiatt – Royal Blue

Danielle Miraglia – Glory Junkies

Danny Schmidt – Owls

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***

The Revelers – Get Ready

Jinx Jones  – Twang-Tastic


Churchwood – 3: Trickgnosis (2014)


21.5.15

Amy Speace – That Kind of Girl


***1/2

Amy Speace stammt aus Baltimore, seit Jahren ist sie, nachdem sie zunächst eine Theaterkarriere gestartet hatte und etwa in Shakespeare-Inszenierungen auf der Bühne stand, als Singer/Songwriterin in Nashville zu Hause. «That Kind of Girl» ist ihr sechstes Album. «The album is an intimate, heart-wrenching exploration of a love affair and its aftermath, the dangerous addictive dance of love and alcohol, and the sobering journey out of it», heisst es im Pressetext dazu. Von den zwölf Songs hat Amy Speace die meisten mit Co-Autoren zusammen geschrieben, darunter neben Produzent Nelson Hubbard die Singer/Songwriter Ben Glover, Kate Klim, Beth Nielsen Chapman, Doug & Talisha Williams und Ryan Culwell. Zum dritten Mal hat Amy Speace mit dem Produzenten Nelson Hubbard zusammengearbeitet, der auch als Drummer mitwirkt. Die Band ist mit den Gitarristen Will Kimbrough und Carl Broemel (My Morning Jacket), Keyboarder Dann Mitchel, Geiger und Mandolinist Eamon McLoughlin (The Greencards) sowie Bassist Dean Marold ausgezeichnet besetzt. Gesang steuern Kollegen und Kolleginnen wie John Moreland, Garrison Starr, Tim Easton, Rod Picott, Ben Glover sowie Doug & Talisha Williams bei.

Die eindrücklichen Songs sind sehr sorgfältig arrangiert, teils vielleicht fast etwas zu vorsichtig. Während ein paar der Lieder eindringlich und stark sind, dabei fast schon unter die Haut gehen, plätschern andere gepflegt dahin oder wirken etwas gar theatralisch. Ich bin beim Hören immer etwas hin und her gerissen.


19.5.15

Dwight Yoakam – Second Hand Heart

(Reprise/Warner Music Group)

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Vor 30 Jahren war er einer der heissesten neuen Acts im Americana-Genre, das damals noch nicht so hiess. Mit 58 bringt er nun sein – wenn ich richtig gezählt habe – 18. Studioalbum heraus. Und das klingt noch fast so frisch wie seine ersten Platten. Acht eigene Songs, den Traditional «Man of Constant Sorrow» (populär seit dem «O Brother, Where Art Thou?»-Soundtrack) sowie ein Titel des Singer/Songwriters Anthony Crawford, dessen Debüt 1993 Pete Anderson produziert hatte, der auch Yoakams erfolgreiche Alben der 1980er und 1990er produziert und mit seinem virtuosen Gitarrenspiel mitgeprägt hatte. Andersons charakteristischen Gitarren sind das einzige, was man auf den späteren Yoakam-Werken vermisst, auch wenn er immer wieder mit guten Gitarristen (auf dem neuen Album mit Brian Whelan, Eugene Edwards und Jonathan Clark) zusammenarbeitet und er selbst auch in die Saiten greift. Seine «Neo-Hillbilly Music», wie er sie selbst nennt, funktioniert bis heute.


18.5.15

Gretchen Peters – Blackbirds

(Scarlet Letter Records)

***

Gretchen Peters ist eine grosse Songschreiberin, Stars wie Martina McBride, Trisha Yearwood, Patty Loveless, George Strait und Etta James machten Songs von ihr zu Hits. Auf ihrem ungefähr zehnten Album präsentiert die 57-Jährige, die aus einem Vorort von New York City stammt, neue eigene Songs und einen, «Nashville, von David Mead, die sie mit tollen Musikern in Nashville eingespielt hat: Doug Lancio (electric guitar, 12 string guitar, baritone electric guitar, banjo, bass, drums), Will Kimbrough (mandola, mandolin, charango, acoustic guitar), Barry Walsh (piano, organ, pump organ, accordion), Dave Roe (bass), Nick Buda (drums), Jerry Douglas (dobro, guitbro), David Henry (cello, violins) und Mickey Raphael (harmonica). Grössen wie Kim Richey, Jason Isbell, Matraca Berg, und Suzy Boguss singen mit, und einer meiner Helden, Jimmy LaFave, singt ein Duett mit Gretchen.

Eigentlich mag ich Gretchen Peters und ihre Arbeiten seit vielen Jahren, und an dem schön gemachten Album kann man eigentlich nicht wirklich etwas aussetzen. Trotzdem werde ich überhaupt nicht warm damit, und auch beim wiederholten Hören weiss ich immer noch nicht so recht, woran das liegt. Es langweilt mich einfach ein bisschen, es plätschert an mir vorbei, ohne dass viel hängenbleibt.


15.5.15

Maureen & The Mercury 5 – The Keepin’ Kind

(Swingtone Records/
Universal Music)

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Ein cooles Rockabilly-Album aus Los Angeles. Maureen Davis (lead vocals), Steve Whalen (upright bass, vocals), Sylvain Carton (saxophones, guitar, vocals), Scott McLean (guitar, vocals) und Tommy Goddard (drums) bestreiten jeden Monat den «Rockabilly Friday» im Disneyland und haben bisher zwei EPs veröffentlicht. Jetzt das erste Album, das eine versierte, sehr professionelle Band zeigt (und eine wunderschöne Cover-Illustration, die der Comickünstler Adam Huntley eigens dafür schuf). Maureen ist eine phantastische Sängerin mit einer tollen Stimme. Die musikalischen Einflüsse umreisst Maureen so: «M&M 5 draws its sound from late 50's and early 60's, notably inspired by rockabilly greats like The Stray Cats, Bo Diddley, Chuck Berry, Buddy Holly and inimitable subrettes Dusty Springfield, Ann Margret, Amy Winehouse and even Chrissy Hynde.»
Während live vor allem auch Covers aus den 1950ern und 1960ern gespielt werden, bringt das Album Neues: Neben zwei Songs von RJ Comer und einem von Pamela Phillips Oland und Benjamin Schultz, alles Songwriter-Kollegen aus Los Angeles, sind acht Songs Originale von Maureen und der Band. Los geht es mit Up-tempo-Nummern, teils mit etwas Mambo und Swamp-Rock aufgepeppt, die ordentlich in die Beine gehen. Und gerade wenn man denkt, das laufe etwas gar auf geschliffene Unterhaltung heraus, kommt die erste Ballade, mit der Maureen brilliert. Und wenn dann gegen Schuss der herzerweichende «Shoot Me Cupid» kommt, ist man einfach hingerissen.

Maureen & The Mercury 5 spielen seit 2011 zusammen; Maureen Davis und Steve Whalen haben daneben seit 2007 die Roots/Alt-Country-Band The Flutterbies, die eine EP und mehrere Singles veröffentlichte und von der schon mehrere Songs in Filmen verwendet wurden.

Das Titelstück des neuen Albums in einer Live-Version: